Wenn der Himmel voller Celli hängt, war unser Amalficello im Spiel.
Jaja, der liebe Limoncello. Hat brav Einzug gehalten in unsere Bars, Clubs und italienischen Restaurants („Noch einen auf’s Haus?“)
Hier steht er gleich neben seinem krebsroten Pendant, dem Aperölchen und wartet darauf, den nächsten Junggesellinnenabschied mit Spritz, irgendwas on Ice und anderen Kreationen hochzujazzen.
Man könnte dort aber auch einen Limoncello zu stehen haben aus Zitronen, die an dem Stück Erde beheimatet sind, an dem Gott die Zitronen erfunden haben muss:
An der Amalfiküste. Hier macht die Natur, oder halt Gott, keine halben Sachen.
Die Zitronengärten hängen hier gern an Klippen herum wie sonst nur wir zu später Stunde an der Bar. Das Meer reflektiert die Sonne doppelt und dreifach, was den Amalfizitronen eine Aromaintensität beschert, die jeden industriellen Limoncello sehr alt und sehr gebotoxt aussehen lässt.
Diese äußerst dünnhäutigen Zitronen bringen eine Komplexität mit sich, die nicht einfach nur zitronig ist. Hier schmeckt man die flüchtige Eleganz der Bergluft, die mineralische Note des Meerwinds und eine süßliche Tiefe, bei der man nickt und plötzlich weiß, warum es Limoncello heißt und nicht Limongeige, Limonbratsche oder Limonukulele.
Nein. Diese Früchte sind nicht verhandelbar, denn sie sind der Grund, warum wir überhaupt angefangen haben, diesen Likör als unsere Liebeserklärung an diese Region überhaupt zu machen.

