Ein ganzer Wald im kleinen Gläschen: Picea Maiwipfelgeist
Die Finnen machen das mit den Fichtensprösslingen ja schon länger, ein leckerer Sirup wird daraus und… Schnaps!
Und das, dachten wir, ist doch eine Überlegung wert. Also ab in den Wald, die grüne Seele Ostholsteins einfangen.
Was gar nicht so einfach ist wie es klingt. Denn um an die jungen Triebe zu kommen, muss man ganz schön hoch hinaus. Und für 100 Kilo muss man dann ganz schön oft ganz schön hoch hinaus. Ächz! Und das in unserem Alter!
Aber bitte. Wir haben es hinbekommen und finden: wow!
Picea schmeckt wirklich ganz anders als man es erwarten würde: der Geschmack nach Harz bratzt hier nicht dick und fett nach vorn wie man es von einem Nadelgeist vielleicht kennt, sondern hüpft, dideldum, frisch und lebendig, mit dieser samtigen Milde junger Sprossen, im Mund herum.
Die Zitrone (Zitrone?) kommt zuerst, Limette und Grapefruit (Limette und Grapefruit???) folgen diskret nach, bevor sich ein Hauch von grünem Apfel und Waldhonig einschleicht. Und dann weht auch noch ein zartes Minz-Nötchen vorbei.
Kurz gesagt, ist Picea erst saftig und säuerlich auf der Zunge unterwegs, dann vollzieht sich eine subtile Wendung ins Würzige und Harzige.
Der Abgang bringt eine angenehme Bitterkeit mit sich wie das Echo eines Waldes, der sich leise im Wind bewegt und „Moiiiiiniiiii!“ wispert.
Wer bislang also nicht an den Waldgeist geglaubt hat: es gibt ihn wirklich. Wir wissen das genau. Weil, wir haben ihn ja schließlich gemacht (komisches Acheslzuckemoji).

